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Abi-Vorbereitung: Werkanalyse Gustav Klimts "Wasserschlangen"

Das 50 x 20 cm große Bild "Wasserschlangen" oder auch "Freundinnen" von Gustav Klimt entstand zwischen 1904 und 1907 in Mischtechnik mit Gold auf Pergament und hängt momentan im Schloss Belvedere in Wien, Österreich.
Das Werk zeigt zwei sich umarmende, nackte Mädchen, mit lockigem goldenem Haar vor einem ornamentierten, dekorativen Hintergrund. Eine Maid ist von vorne, die andere von hinten gezeigt. Es wirkt, als würde die Frau in Rückenansicht die Brust der anderen liebkosen. In der rechten unteren Bildecke ist außerdem das Profil eines Walfischs zu erkennen. Von dem Werk geht auf Grund der goldenen Farbe eine warme, fast schon sakrale Atmosphäre aus. Tiefenwirkung hat das Bild kaum. Der Betrachter wird so unausweichlich mit dem provokativen Sujet konfrontiert. Die beiden Mädchen im Bild nehmen keinen Blickkontakt zum Betrachter auf, scheinen sich zu distanzieren und lassen sich in ihrer Zweisamkeit nicht stören. Auf diese Weise wirkt der Bildraum trotz der direkten Konfrontation mit dem Thema für die Betrachter unzugänglich. Die Rückenfigur dient als Identifikationsbrücke für das Individuum im Publikum.

Zunächst lässt sich der Bildraum grob in zwei senkrechte Hälften unterteilen. Die linke Hälfte weist hauptsächlich Ornamente auf. In der rechten Bildhälfte befinden sich die "Wasserschlangen" und der Fisch, dh. das eigentliche Geschehen spielt sich hier ab. Lediglich ein Arm des hinteren Mädchens verbindet die beiden Hälften miteinander. Die Komposition wirkt ausgeglichen, da im Kontrast zu den senkrechten Körpern der Frauen und dem waagrechten Walfisch und Kopf, sowie Arm des hinteren Mädchens, die geschwungenen Linien des Dekors und pflanzenähnliche Linien dem Bild die Statik nehmen. Die Farbe erfüllt eine rein dekorative Funktion, ähnelt jedoch trotzdem weitgehend den Lokalfarben. Wie bereits erwähnt hat der Bildraum keinerlei Tiefenwirkung. Die Mädchen sind scheinbar ohne Perspektive oder Fluchtpunkt in das Bild gesetzt worden. Plastizität ist nur bedingt gegeben, da zwar einige Stellen der Akte schattiert sind, jedoch nicht ausreichend, um das Bild realistisch wirken zu lassen. Ein Farbkontrast entsteht nur im Hintergrund, wo äußerst helle Flächen neben dunkle gesetzt werden.
Das Werk entstammt Klimts sog. "Goldenen Periode", in der der Künstler viel mit Gold arbeitete. Klimt ist bekannt für seine provokativen, erotischen (Frauen)Darstellungen, die zu seiner Zeit in Wien mehr als verpönt waren. Auch das Zeigen von Homosexualität, meist Lesbität ist typisch für den Maler. Das zum Betrachter zeigende Gesicht des einen Mädchens weist unverkennbar auf (sexuellen) Genuss hin. Betrachtet man eine Studie zu dem Werk (unten) ist ebendieser Genuss noch viel deutlicher zu erkennen. Allgemein sind Klimts Skizzen viel erotischer, als umgesetzte Gemälde. Hat sich der Künstler etwas doch von den Urteilen der Gesellschaft beeinflussen lassen? Es ist nicht verwunderlich, dass Klimts Bilder heftige Kritik auslösten, in einer Zeit, in der Nacktheit und besonders Sexualität streng tabu waren. Erst durch Freuds Psychoanalyse wurden einige (wenige) auf die inneren Triebe und die Triebgesteuertheit des Menschen aufmerksam. Klimt gehört zu eben diesen, die erkannten, dass Sexualität nicht weiter ein Tabuthema sein muss und darf, da es alltäglich und in der Natur der Menschen liegt. So lässt sich eventuell auch die durch das Gold erzeugte sakrale Atmosphäre in „Wasserschlangen“ erklären. Wollte Gustav Klimt damit verdeutlichen, dass Sexualität in all ihren Formen ebenso zum täglichen Leben dazugehört wie (einst) die Religion? Oder gehören diese beiden Dinge untrennbar zusammen? Oder ist Sexualität gar Religion? Sexuelle Bereitschaft gehört beispielsweise zu einem kirchlich geschlossenen Ehebund fest dazu und auch Gottes Aufruf aus Gen1, 28 („(…) seid fruchtbar und vermehrt echt (…)“) spricht dafür.

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