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Abi-Vorbereitung: Werkanalyse Gustav Klimts "Adam und Eva"

Das unvollendete Werk „Adam und Eva“ von Gustav Klimt entstand 1917/18 und konnte wegen dem plötzlichen Tod des Künstlers 1918 nicht fertig gestellt werden. Das unbezeichnete 173 x 60 cm große Gemälde wurde mit Öl auf Leinwand gemalt und hängt heute im Belvedere in Wien.

Zu sehen ist das biblische Paar Adam und Eva, wobei die leuchtend und hell dargestellte Eva im Vordergrund eindeutig eine größere Rolle zu spielen scheint, als der im Hintergrund, dunkel dargestellte, beinahe versteckte Adam. Beide Personen stehen nackt vor einem schwarzen Hintergrund. Die untere Bildhälfte ist außerdem durch angedeutete Blumen bzw. einem, in meinen Augen, Leopardenmuster dekoriert. Diese Ausschmückung blieb jedoch unvollendet. Ebenso die Hände der Personen, die lediglich mit Bleistift vom Künstler vorgezeichnet, aber nicht mit Farbe ausgefüllt wurden. Eva steht im Kontrapost, legt ihren Kopf zur Seite und streicht mit der linken, nicht fertig gestellten Hand durch ihre langen goldenen Locken. Adam legt ebenfalls seinen Kopf zur selben Seite, hat aber zusätzlich noch die Augen geschlossen und wirkt wie schlafend, oder vielleicht sogar tot? Das strahlende Gesicht der Frau aber strahlt Leben aus. Besonders die roten Wangen weisen auf Lebendigkeit hin. Wie in beinahe allen jugendstilistischen Werken Klimts ist keine Raumtiefe vorhanden, da der Raum unmittelbar hinter den Protagonisten abgeschlossen ist. Ebenso in „Adam und Eva“. Der Betrachter wird somit direkt mit dem Sujet konfrontiert und kann und soll keine Distanz zum Bild aufbauen. Auch mit ihrem auf den Betrachter gerichteten Blick nimmt Eva Kontakt nach Außen zum Publikum auf.

Die Plastizität und Stofflichkeit im Werk tritt zu Gunsten der Farbmodulation zurück. Wie so oft in Klimts Werken ist kein Fluchtpunkt auszumachen und die Statik der senkrecht ausgerichteten Körper wird nur durch die nach rechts geneigten, nicht mehr waagrechten Köpfe, die diagonal angeordnete Ornamentik und den lebhaften Duktus ausgeglichen. Dominiert wird das Bild eindeutig vom leuchtenden, fast blendenden Frauenkörper der Eva, die nahezu den kompletten Bildraum einnimmt und im unmittelbaren Kontrast zum schwarzen Hintergrund steht. Wie bereits erwähnt steht im Werk mehr Eva, als Adam im Mittelpunkt. Klimt ist bekannt für seine Frauendarstellungen, da er den weiblichen Körper in seiner Anatomie, Form und Ästhetik dem männlichen vorzog. So ist es nicht verwunderlich, dass in jenem Gemälde Eva dominierend dargestellt ist. Klimt hatte ganz einfach mehr Gefallen an ihrer Darstellung. Auch im Privatleben des Künstlers spielten Frauen eine größere Rolle als Männer. Nachdem Klimts Vater und Bruder verstorben waren, lebte der Maler sein restliches Leben lang mit seiner Mutter und seinen Schwestern. Des Weiteren war Klimts Leben durch die offene Beziehung bzw. Freundschaft mit der Designerin Emilie Flöge geprägt. Auch die zahlreichen Affären mit seinen Modellen, die tagtäglich im Atelier ein und aus gingen zeigen Klimts Liebe zum weiblichen Geschlecht, das seine größte Inspiration war. Der Künstler neigt auch dazu die Frauen als „Femme fatales“ darzustellen, dh. auf einer Seite wunderschön und weiblich, auf der anderen Seite aber zugleich mächtig, gefährlich. Biblische Szenen sind jedoch selten in Klimts Œuvre, da der Künstler als damals avantgardisch, modern geprägter Mensch kein großes Interesse an Religion zeigte (aufkommender Nihilismus).

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