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Abi-Vorbereitung: Cézannes Idee der Farb- und Formautonomie

Der 1839 in Aix-en-Provence geborene Cézanne wünschte sich nichts sehnlicher, als Maler in Paris zu werden, doch auf grund seines eigenen Stils wurde er stark verlacht und permanent vom Salon abgelehnt. Enttäuscht kehrte der Künstler in seine Heimat zurück und lebte sein restliches Leben in Resignation. Der künstlerische Durchbruch erfolgte posthum. Heute gehören Cézannes Werke zu den weltweit teuersten und seit Picasso zählt der Franzose als "Vater der Moderne",
denn er revolutionierte den Kunstbegriff. Während Maler für gewöhnlich die Natur als Vorlage nehmen, orientiert sich Cézanne an der Geometrie. Zwar malt auch er gerne Landschaften, doch die dominierenden Bildmittel sind für ihn Farbe und besonders Form, die beide autonom umgesetzt sind, also unabhängig vom Naturbild. Der Künstler dreht außerdem die bisherigen Ansichten um und zeigt nicht nur den äußeren Schein eines Sujets, sondern zeigt auch das Innere. Damit ist auch das "Innere" des Malers selbst gemeint. So entsteht eine völlig neue Wirklichkeit, die sich von tatsächlichen Gegebenheiten loslöst. Die Aussage "Kunst ist eine Harmonie parallel zur Natur" verdeutlicht Cézannes Idee. Natur und Kunst gehören nicht mehr fest zusammen, sondern verlaufen zueinander parallel. Zwar sind in seinen Werken die Gegenstände, die meist aus der Natur stammen, eindeutig zu erkennen, doch trotzdem liegt die Hauptaussage in der Anordnung, der Geometrie, der Form und Farbe der Elemente. Auch hält der Künstler nicht viel von Perspektive, denn er bevorzugt es mehrere Ansichten eines Objekts innerhalb eines einzigen Bildes darzustellen. Dieses analytische Herangehen an ein Werk macht ihn zu einem Wegbereiter der Kubisten. Außerdem moduliert Cézanne die Farben innerhalb einer Fläche und lässt ein und denselben Ton sowohl im Vorder- als auch im Hintergrund auftreten, sodass die Bildebenen verschwimmen und nicht mehr klar trennbar sind. Abgelehnt wird des Weiteren die Modellierung nach Hell-Dunkel, wie es bisher in der Malerei üblich war, um Plastizität zu erzeugen. Der Titel des "Vaters der Moderne" trifft unumstritten zu, da Cézanne als Erster die Form vom Naturbild löst, ebendieses in seine geometrischen Grundformen zerlegt und somit die Autonomie von Formung und Farbe begründet, welche moderne Malerei ausmacht.