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Hundertwasser und seine fünf Häute

Der Künstler und Architekt Friedensreich Hundertwasser entwickelte während seiner künstlerischen Schaffensphase eine Theorie der fünf Häute des Menschen. Diese Überlegung möchte ich euch heute im Groben nahebringen / erklären.
Die erste Haut: Die natürliche Haut (Epidermis). Zunächst erklärt sich das von selbst. Hundertwasser selbst hatte auch keine Probleme damit, seine natürliche Haut zu zeigen. Bestes Beispiel hierfür ist seine sog. Nacktrede in der Galerie Hartmann in München 1967, in welcher er sich deutlich gegen den Rationalismus und dem Funktionalismus in der Architektur ausspricht. Besonders durch das Bauhaus oder die Idee von Le Corbusier (hier Artikel lesen) wurde der funktionale Baustil beliebt, der sich gegen Dekoration ausspricht und von Schlichtheit und rechten Winkeln geprägt ist. Hundertwasser sagt: "die gerade Linie führt zum Untergang der Menschheit", denn der Mensch muss in Einklang mit der Natur leben um glücklich zu sein und die gerade Linie kommt in der Natur nicht vor, also macht sie den Menschen unglücklich.

Die zweite Haut: Die Kleidung. Man sagt ja bekanntlich "Kleider machen Leute". Hundertwasser drehte das herum und machte seine Kleidung selbst. Er bastelte sich seine eigenen Schuhe, die vollkommen ungleich waren, trug verschieden farbige Socken, flickte sich seine eigenen Patchwork-Mützen und nähte sich Kleidung, die man wenden konnte. Damit kehrte der Künstler wie so oft zur Ursprünglichkeit zurück. Hundertwasser lehnte die Vorurteile, die sich die moderne Welt auf Grund der Äußerlichkeit von einem Menschen machte, ab . In diesem Zusammenhang spricht der Künstler auch von der "Tyrannei der Mode".
Die dritte Haut: Das Haus / die Architektur. Der Name Hundertwasser wird heute meist mit Architektur verbunden. Ebendiese spielte im Schaffen des österreichischen Künstlers auch eine bedeutende Rolle: Er sprach z.B. vom "Fensterrecht", welches besagt, dass jeder Bewohner das Recht hat, die Umgebung um sein Fenster herum (also an der Außenfassade) so zu gestalten wie er es gerne möchte, so weit, wie die Arme eben reichen. Außerdem spricht Hundertwasser von "Baummietern", also dass Bewohner in ihr Haus Bäume planzen, die aus den Fenstern oder vom Balkon wachsen und "Miete" zahlen, indem sie z.B. die Luft reinigen. Auch Dachterrassen und -Gärten gehören zu Hundertwassers Repeatoire. Um auch die sanitäre Einrichtung "typisch" zu gestalten, entwickelte der Künstler die sog. "Humus-Toilette" (Bild unten links), in welcher sich die Fäkalien zu fruchtbarem Humus umwandeln, welchen man dann wieder den Pfanzen gibt.
Die vierte Haut: Das soziale Umfeld. Zunächst gehörten zu Hundertwassers Theorie nur die bereits genannten drei Häute. Die vierte und fünfte Haut kamen erst später dazu. Der Vater des Künstlers starb früh. Als auch die Mutter 1972 starb, hatte Hundertwasser keine direkte Familie mehr. Der Mensch bildet sich sein soziales Umfeld selbst, da er sich seine Freunde aussucht. Hundertwasser spricht bei Freunden von "Wahlverwandtschaft". Sein engster Freund war der französische Künstler Rene Brô, mit welchem er seinen Motvischatz tauschte. Die klassischen Mandelaugen aus Hundertwassers Bildern sind z.B. von Brô übernommen. Dieser hingegen übernahm Friedensreichs kugelähnliche Darstellung von Bäumen.
Die fünfte Haut: Ökologie. Jeder einzelne Mensch ist Teil eines Ganzen: Der Welt. Und deshalb soll nach Hundertwasser der Mensch in Einklang mit der Umwelt leben. Er spricht hierbei vom "Homo Humanus Humanitas". Daher unternimmt der Künstler viel um für sich und durch seine Architektur auch für andere den Kreislauf der Natur zu unterstützen. Durch verschiedene Plakate, die beispielsweise zum Gebrauch von öffentlichen Verkehrsmitteln aufrufen, sich gegen Atomkraft aussprechen oder "Mehr Grün" in Städten fordern, verdeutlicht er diese Einstellung. Hundertwassers Interessen sind dabei jedoch keine politischen. Er möchte einfach durch die Kunst - durch seine Kunst - die Welt bewegen, verändern, verbessern. Sie schöner machen. Alles Schöne wird von der Natur gegeben und soll genauso zu ihr zurück.
Quelle: Pierre Restany - Die Macht der Kunst, Hundertwasser, der Maler-König mit den fünf Häuten, TASCHEN GmbH, 2003

6 Kommentar(e):

Merla hat gesagt…

Hey, danke für deinen lieben Kommentar, sonst wäre ich ja nie auf diesen wunderbaren Blog gestoßen !
Ich liebe ihn schon jetzt, ganz ehrlich solche Themen gibt es so selten zu lesen hier in der Blogsphäre, ganz große Klasse!

Segeln war ich leider nicht, ich glaube dafür fehlt mir die Begabung, aber ich bewundere gern die Schiffchen und ihre vielen Segel, Masten, etc.
:)

Merla hat gesagt…

Jetzt hab ich noch ganz verpennt was zum Text zu sagen, hatte ich ja eigentlich vor xD
Ich mag Hundertwasser und seine Häuser, von diesen 5 Häuten hatte ich bisher noch nicht gehört, die Denkweise gefällt mir aber ziemlich gut:)

dein blog ist wirklich so unglaublich cool und individuell, mal nen total anderes konzept :) gefällt uns ;)
xoxo martin&vanessa

Sabine hat gesagt…

Ich liebe Hndertwasser. Hoffe, dass ich noch die Ausstellung in der "Sparkassen-Arena", die für mich immer die "Ostseehalle" bleiben wird, besuchen kann.
LG Sabine

aloneinkyoto000 hat gesagt…

»Mit "Farbwahn" möchte ich mein Rede- und Kommunikationsbedürfnis über künstlerische Themen stillen.«

und ich missbrauche ihn gleich einmal um mein kunstwissen auf unterhaltsam-lockere art und weise zu pushen! :)
ich kann das kompliment nur zurückgeben, wobei du als mensch mir irgendwie noch sympathischer bist als es dein blog ist. sehr eindrucksvolles portfolio!

Ina hat gesagt…

sind wirklich tolle tipps da sollte man öfters mal dran denken ;D