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Bildbeschreibung: Egon Schiele - Die Umarmung

Das Gemälde "Die Umarmung (Liebespaar II, Mann und Frau)" vom österreichischen Maler Egon Schiele, aus dem Jahre 1917 (ein Jahr vor Schieles Tod) ist mit Öl auf Leinwand gemalt und misst 100 x 170 cm. Es ist unbezeichnet und befindet sich im Belvedere in Wien.

Das Gemälde zeigt, wie der Name schon sagt, ein insichverschlungenes, nacktes Liebespaar auf einem zerknitterten weißen Tuch, welches diagonal von der rechten oberen Bildecke zur unteren linken Ecke verläuft und auf einem nicht zu definierenden gelb-braunen Untergrund liegt. Eine weißhäutige, auf dem Rücken liegende Frau erwidert die Umarmung eines schwarzhäutigen Mannes, welcher nur in Rückenansicht zu sehen ist. Keine der beiden Personen nimmt Blickkontakt mit dem Betrachter auf. Das Paar ist ganz auf sich konzentriert. Schieles Gemälde wirkt sehr dynamisch, da hauptsächlich diagonale bzw. schräge Linien auszumachen sind. Auch die wilden Pinselspuren und der wirre Faltenwurf der Decke unterstreichen die Dynamik. Besonders der dreckige gelb-braune Hintergrund wirkt sehr unruhig. Die dunklen Haare der Frau bilden einen Hell-Dunkel-Kontrast zum weißen Tuch. Doch auch die beiden Körper in ihren unterschiedlichen Hautfarben stehen im Kontrast zueinander. Das Paar und ihre Unterlage wirken sehr plastisch, da die Körper sehr gut ausgearbeitet sind. Der Hintergrund hingegen wirkt flächig. Durch Überschneidungen, wie beispielsweise im Faltenwurf zu erkennen, wirkt das Bild räumlich (bis auf den Hintergrund). Besonders auffallend in dem Bild ist eben der Kontakt zweier Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe. Dass die beiden Personen zusammen in einer Umarmung dargestellt sind, lässt darauf schließen, dass sich die zwei gegenseitig annehmen und respektieren. Sie werden nicht unterschieden. Auch die Tatsache, dass beide nackt und so auf gewissen Weise schutzlos sind, deutet auf Gleichheit hin. Erwähneswert ist auch, dass das Werk während des ersten Weltkriegs entstand. Doch nicht nur die traurige Kriegsstimmung, sondern auch Schieles persönliche Melancholie sind in das Bild eingeflossen. Vielleicht sind die beiden Protagonisten traurig und umarmen sich deshalb zum Trost - das könnte eine mögliche Deutung sein, da die Personen nicht zum Betrachter blicken. Leidenschaftlich wirkt die Haltung nur bedingt. Eher verkrampft. Auch das unnatürlich stark zerknitterte Tuch mag ein Hinweis auf Schieles innere Bewegtheit sein bzw. auf das durch den Krieg verursachte Chaos. 1910 schrieb Schiele über seine Heimatstadt: "In Wien ist Schatten, die Stadt ist schwarz..."*. Eventuell könnte das weiße Tuch aber auch als Chiffre für Sicherheit stehen, da das Paar mittig platziert ist und zu allen Seiten vom Stoff geschützt ist, vom undefinierbaren gelb-braunen Untergrund geschützt ist (das Paar wirkt weich gebettet). Aufgrund des wilden Pinselrhythmus' und der Dynamik lässt sich das Gemälde in den Expressionismus einordnen. Auch die relativ kantigen Konturen (besonders der Körper) weisen auf diese Epoche hin und steht im Gegensatz zu den sonst geschwungenen, dekorativen Linien des Jugenstils, welcher zur selben Zeit (besonders in Wien) beliebt war. Andere typische Kennzeichen des Expressionismus, wie extreme Farbigkeit, erfüllt das Gemälde jedoch nicht. Von einer "Weltuntergangsstimmung" kann man wiederrum ausgehen.
*Zitat aus PAN 7/86, Artikel von Hans Dichand

2 Kommentar(e):

Jana hat gesagt…

Hey Hey!

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xx Jana

Antonia-Ivana hat gesagt…

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