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C/O Berlin: Bilder vom Terror

Heute besuchte ich die Fotografie-Ausstellung im C/O Berlin mit dem Thema: "Unheimlich vertraut - Bilder vom Terror". Die Ausstellung zeigt bekannte Fotografien von Terroranschlägen, Autounfällen oder anderen Katastrophen, die sich in die Köpfe der Menschen eingebrannt haben. Verschiedene Künstler und Künstlergruppen haben sich mit dem Thema auseinandergesetzt.

Malte Wandel
z.B. beschäftigt sich mit einem sehr nachhaltigem Ergeinis: er zeigt Bilder von der Geiselnahme der israelischen Olympiamannschaft durch "schwarzer September" bei den Olympischen Spielen in München 1972. Auch Mikael Mikael beschäftigte sich in seiner Reihe "Show you are not afraid" mit einem unvergesslichem Geschehnis: dem 11.September 2001. Mit Plakaten zitiert er den Satz des ehemaligen New Yorker Bürgermeister Rudolph W. Giuliani, welcher nach 9/11 sagte: "Show you are not afraid. Go to restaurants. Go shopping". The Atlas Group / Walid Raad zeigen Bilder, die keine Opfer direkt darstellen, sondern nur das Handeln bzw. die Reaktion von Polizei, Militär oder Politikern. Die Fotografin Natalie Czech steuert ihren Beitrag durch "Daily Mirrors" und dem Bild "Keep out" bei. Eine Fotografie, die viele polizeiliche Absperrbänder zeigt, die beinahe schon zum Alltag in Großstädten gehören. Ein völlig anderer Beitrag kam von Helmut Newton, welcher in seiner "Big Nudes" Serie (1980) Fotografien von sehr selbstbewusst wirkenden, nackten Frauen präsentiert. Ursprünglich sollte die Bildstrecke den Namen "Meine Terroristinnen" tragen, als Anlehnung an die RAF, doch die Fotografien sorgten ohnehin schon für Aufruhr, besonders in feministischen Kreisen. Dennis Adams beschäftigte sich in "Patricia Hearst A-Z" mit dem Leben der Patricia Hearst, die als "Tania" Mitglied der linksradikalen Symbionese Liberation Army war. In 26 verschiedenen Pressebildern, jedes mit einem Buchstaben versehen, wird das Leben der Frau reflektiert. Ein interessanter Beitrag war auch jener von Thomas Ruff, mit dem Titel "Anderes Portrait". Von 1994 bis '95 entpersonalisierte der Künstler ein Portrait. Sprich: er erschuf eine Komposition aus mehreren Bildern und lies so zwei verschiedene Portraits einer Person entstehen. Das geschah in Anlehnung an die Erstellung von Phantombildern, bei welcher ebenfalls aus unterschiedlichen Einzelteilen komponiert wird. Die Bildreihe "here is new york - a democracy of photographs" aus dem Jahre 2001 besteht aus unzähligen Einzelbildern, die eindringlich die Geschehnisse am 11.September 2001 in Manhattan dokumentieren. Die Ausstellung wurde direkt nach 9/11 von Alice Rose George, Gilles Peress, Michael Shulan und Charles Traub zusammengestellt, um Geld für die Opfer zu sammeln. Originell war auch die Idee von Coco Kühn aus Berlin: mit dem Titel "Stacks" entstanden 2002 vier Bilder, die jeweils gestapelte Berliner Zeitungen darstellen, die in den vier Folgetagen nach 9/11 gedruckt wurden. Auf jedem Foto sind zwei Stapel zu sehen, die die Twin Towers symbolisieren sollen. Auch das ikonografische Schlagbild des 11.Septembers ist im C/O ausgestellt: die Fotografie von Thomas Hoepker "Blick von Williamsburg auf Manhattan" - es ist jenes bekannte Bild, welches eine Gruppe scheinbar entspannter Menschen in einem Park zeigt, während im Hintergrund die schwarzen Wolken des World Trade Center empor steigen. Interessant, aber zugleich irrwitzig fand ich "Boobytraps" (2008) von Simon Menner. Die Reihe zeigte Illustrationen aus Handbüchern der US-Armee und beschreibt die Konstruktion von Sprengfallen in Alltagsobjekten wie einem Bett, einer Tabakpfeife oder sogar einer Tafel Schokolade. Interessant waren auch die beiden Bilder von Thomas Ruff mit dem Titel "jpeg". Der Künstler war am 11.September 2001 selbst in NY anwesend und fotografierte die Geschehnisse. Allerdings stellten sich seine Aufnahmen als unbrauchbar heraus. Er versuchte seine Aufnahmen wiederherzustellen und war im Internet unterwegs, wo er viele entsprechende Fotos fand. Leider waren die aber alle so kleinformatig, dass sie bei Vergrößerung sehr verpixelt wurden. Doch genau das ist das ausmachende Gestaltungsmittel. Die Verpixelung abstrahiert das Bild. Den mit Abstand schockierensten Beitrag leistete Thomas Hirschhorn mit seinem "Incommensurable Banner" aus dem Jahre 2007. Auf einem riesigen Banner zeigt der Künstler schreckliche Fotos von verletzten, deformierten und zerstückelten Körpern, Leichen. Abgetrennte Körperteile wie Arme, Beine, ja sogar Köpfe. Hirschhorn will damit zeigen, dass die Medien Ereignisse verschönern und nur die "harmlosen" Dinge zeigen. Clément Chéroux beschäftigt sich in "Déjà-vu 9/11" mit einer Fotografie von Thomas Frankling: ein Amerikaner hisst über Ground Zero die amerikanische Flagge. Dies geschah in Anlehnung an eine Fotografie die am 23.Feburar 1945 von Joe Rosenthal entstand und sechs Marines zeigt, die auf einer kleinen Insel namens Iwojima ebenfalls die amerikanische Flagge hissten und somit ihren Triumph über Japan und Rache für "Pearl Harbour" feierten. Einen Höhepunkt bildeten die Exponate der Fotografin Anja Niedringhaus, welche 1965 in Westfalen geboren wurde und unter dem Kürzel "AP" (Associated Press) in Zeitungen Fotos von Leid, Elend, Tragödie, Erschöpfung und Verzweiflung aus Krisengebieten wie z.B. Irak oder Afghanistan veröffentlicht. 40 bewegende schwarz-weiß Fotografieren sind ausgestellt und zeigen schonungslos die Zustände in Brandherden. Drei Pigmentdrucke aus der Sammlung bewegten mich besonders stark. Zum einen das Bild "Wüste in Kuwait. Dezember 2002", auf welchem eine versammelte Menge Soldaten zu sehen ist, welche um einen knallrot gekleideten Weihnachtsmann stehen. Das Bild habe ich mir als Postkarte gekauft, wie ihr sehen könnt. Das zweite Bild "Yaftal e sofla. Afghanistan September 2009" zeigte einen melancholischen Soldaten, welcher ganz allein auf einer großen Wiese sitzt, mit einem leeren, traurigen Blick und ein paar brennenden Kerzen neben sich. Nummer drei "Fallduschka. Irak Februar 2005" rührte mich zu Tränen: eine muslimische Mutter stand mit ihrem Kind in einem zerstörten Dorf/Stadt. Neben ihnen ein Soldat. Am linken Bildrand ein auf Holz aufgespiester Puppenkopf, welcher an die burtalen Zustände der französischen Revolution erinnert. Die Fotografin ist hautnah in den Krisengebieten dabei, setzt sich unheimlichen Gefahren aus, schafft durch ihre Kamera aber dennoch Distanz. Ab 2012 wird eben diese Sammlung von Anja Niedringhaus in der Deutsche(n) Börse Eschborn bei Frankfurt zu sehen sein. Am besten hat mir jedoch die Videoinstallation von Robert Boyd aus dem Jahre 2002 gefallen - wenn man in diesem Zusammenhang überhaupt von dem Wort "Gefallen" Gebrauch machen darf... denn eigentlich war es schrecklich. Die Videoinstallation "Xanado" ist ein ironischer Kommentar. Der Raum war wie eine Disko aufgebaut. Das heißt: abgedunkelt, mit einer großen Diskokugel und bunten Lichtern versehen. Außerdem läuft stimmungsvolle Partymusik. Den grotesken Gegensatz bilden die Videos, die an vier großen Leinwänden laufen, denn sie zeigen Szenen von Terroranschlägen, Explosionen, Unfällen, Leid und Elend. Die Bilder sind auf die Musik abgestimmt und wirkt wie ein Musikvideo. Doch was man sieht schockiert: weinende, verletzte Menschen. Die rauchenden Twin Towers, oder was von ihnen übrig war. Einen Atompilz. Zerstörte Häuser oder Autos. Es hat mich emotional sehr bewegt.
Das waren jetzt nur einige Künstler, die ausstellen. Insgesamt sind es um die 30. Ich persönlich kann die Ausstellung nur empfehlen. Sie läuft noch bis zum 04.12.2011 im C/O Berlin, Oranienburgerstraße 35. Doch denkt daran: es wird euch schockieren, traurig stimmen, zu Tränen rühren. Also bereitet euch darauf vor, denn besonders im Obergeschoss werdet ihr Bilder sehen, die euch womöglich nicht mehr schlafen lassen...
p.s demnächst kommt auch der Artikel über die heutige "Talents25" Vernissage im C/O, mit Mirko und Melanie Martin, die weder verwandt, noch verschwägert oder verheiratet sind, sondern einfach nur den selben Nachnamen haben.

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