Navigation Menu

Bildbeschreibung: Caravaggio - Amor als Sieger

Das 156 x 113 cm große Ölgemälde "Amor als Sieger" von Michelangelo Merisi da Caravaggio entstand in den Jahren 1601/1602 und befindet sich im Besitz der Berliner Gemäldegalerie, welche es 1815 aus der Sammlung Giustiniani erworben hatte. Es zeigt einen geflügelten, nackten Jungen im Vordergrund, in unbequemer Pose auf einem mit einem weißen Tuch umhüllten Sitzobjekt sitzend. Ein Bein ist angewinkelt aufgelegt, das andere reicht zum Boden. In seiner rechten Hand hält der Knabe Bogenpfeile, der Kopf ist nach links gelegt. Mit einem selbstsicheren, spöttischen Grinsen blickt die Figur zum Betrachter. Am Boden liegen achtlos Objekte wie eine Laute, eine Geige, Notenblätter, ein Richtscheit, eine Ritterrüstung und ein Lorbeerzweig verstreut. Neben dem angewinkelten Bein des Jungen befinden sich außerdem ein Schwert und eine Krone. Im Hintergrund erstreckt sich eine rein braune Fläche, die den Bildraum nach hinten abschließt. Der in der linken Ecke liegende Geigenbogen fungiert als Anhebungsmotiv, welches nach rechts ins Bild verweist.
Das Werk weist eine sehr harmonische Komposition auf, da statische Vertikalen und Horizontalen (beispielsweise der Körper des Knaben) durch dynamische Diagonalen (z.B. Geigenbogen) oder Bogenformen (z.B. Flügel) aufgehoben werden. Würde man die Diagonale des Geigenbogens weiterführen, so ergibt sich eine durch das Bild verlaufende Diagonale, welche durch den Jungen unterbrochen wird und später durch das Schwert wieder aufgenommen wird. Beide Objekte (Geigenbogen und Schwert) weisen gleichzeitig auf das Geschlecht der Figur. Das Standbein des Protagonisten kann außerdem als Symmetrieachse gedacht werden, welche das Bild in eine rechte und eine linke Hälfte unterteilt. Geigenbogen und Pfeile in der Hand des Knaben bilden eine Dreiecksbegrenzung. Der Bildraum weist kaum Tiefenwirkung auf, da der Raum unmittelbar hinter der Szene durch eine dunkle Wand abgeschlossen wird. Räumlichkeit lässt sich beispielsweise an Überschneidungen unter den Bildelementen festmachen. Durch präzise Hell-Dunkel-Modellierung und Schattierung erhält das Bild des Weiteren Plastizität. Bei den Lichtverhältnissen handelt es sich um kulissenhaftes, gestelltes Licht, wobei sich die Lichtquelle links außerhalb des Gemäldes befinden muss. Caravaggios Werk trägt den Namen "Amor als Sieger", was darauf hinweist, den dargestellten Jungen als Liebesgott "Amor" zu identifizieren, was jedoch auch anhand der Attribute möglich gewesen wäre (Knabengestalt, Pfeile, Flügel). Interessant ist auch der lateinische Name des Gemäldes: "Amor vincit omnia" - "Amor besiegt alles". Mit "alles" ist alles irdische gemeint - also Wissenschaft, Kunst, Herrschaft, kurz alles, wonach der Mensch strebt. Verdeutlicht wird dies durch die achtlos am Boden liegenden Gegenstände. Diese Tatsache erklärt außerdem auch, weshalb der Junge frech und spöttisch blickt. Übersetzt man den lateinischen Titel unabhänging vom Eigennamen "Amor", so ergibt sich "Liebe besiegt alles". Mit dieser Basis lässt sich das Bild als Allegorie deuten, da die Figur des Liebesgottes in diesem Fall für die überirdische Macht der Liebe steht, über die der Mensch keine Gewalt oder Kontrolle hat. Der Liebe muss sich Jeder unterordnen. Also verdeutlicht Caravaggio auch die Beschränktheit der menschlichen Existenz und nimmt damit Bezug auf Barcas Welttheater-Idee und die Vantias-Motive, was auch die Aussage unterstützt, das Werk in die Zeit des Barock einzuordnen. In jener Zeit war nicht nur eine präzise, realistische Darstellung, sondern auch der Mensch als zentrale Figur typisch - in diesem Fall eine Figur aus der antiken Sagenwelt. Außerdem weist "Amor als Sieger" auch epochal typische Lichtverhältnisse auf. Während einige Stellen enorm hell glänzen, verschwinden andere in dunklen Schattenzonen. Da das Gemälde alles in allem auch sehr theatralisch inszenierte wirkt, besonders im Bezug auf das Licht, lässt sich Caravaggios Werk auch differenzierter in den sensualistisch-naturalistischen Barock einordnen.

0 Kommentar(e):