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"Der Geteilte Himmel" in der Neuen Nationalgalerie

Seit dem 11.11.11 zeigt die Neue Nationalgalerie Berlin den zweiten Teil ihrer Präsentation zur Kunst des 20.Jahrhunderts. Während zuvor mit dem Titel "Moderne Zeiten" (hier Artikel lesen) Arbeiten aus der ersten Jahrhunderthälfte von 1900 - 1945 gezeigt wurden, präsentiert das Museum nun Kunst aus den Jahren 1945 bis 1968. Der Titel der nun bis Anfang 2013 laufenden Dauerausstellung lautet "Der Geteilte Himmel" und spielt auf die kontrastreiche Nachkriegszeit an. Wirtschaftlich und politisch war die Zeit nach '45 sehr gegensätzlich. Zum einen sprach man vom deutschen Wirtschaftswunder, zum anderen forderte der Bau der Mauer viele Opfer. In politischer Hinsicht war jene Zeit maßgeblich durch den "Kalten Krieg" beeinflusst, was sich auch in der bildenden Kunst niederschlug. Kontrastreichste Beispiele bleiben jedoch die unterschiedlichen Kunstrichtungen des geteilten Deutschlands. Während sich im Westen die völlige Abstraktion etablierte, wurde in der DDR der sog. Sozialistische Realismus (hier Artikel lesen) vorgeschrieben, welcher stark an der Figuration festhielt.


Künstler wie Franz Radziwill ("Flandern"), Wilhelm Lachnit ("Gliederpuppe"), Heinrich Ehmsen ("Frauen in Not") oder Horst Strempel ("Atelierecke") begrüßen die Besucher mit ihren neoexpressionistisch unruhigen Gemälden. Zu einem meiner Lieblingsbilder wurde sofort Heinz Trökes "Tierlandschaft" aus dem Jahre 1946. Wie oben bereits erwähnt wurde der Kunstbegriff in der DDR vorgeschrieben (sozialistischer Realismus). Doch viele Künstler wollten lieber abstrakten Tendenzen folgen. So kam es, dass man rasch Pablo Picasso als Vorbild her nahm, da er zwar abstrahierte, aber dennoch gegenständlich blieb. Picassos "femme couchée au bouguet - liegende Frau mit Blumenstrauß" wurde deshalb mit in die Ausstellung aufgenommen. Ein Herzstück bildet außerdem auch Harald Metzkes "Austransport der sechsarmigen Göttin", welches allegorisch für den Protest gegen das Vernichten althergebrachter Kulturgüter durch das Regime stand. Direkt daneben Werner Tübkes "Lebenserinnerung des Dr. jur. Schulze III" - ein großformatiges Werk, durch welches der Künstler allmählich begann den realistischen Weg zu verlassen. Willi Sittes Bild "Amputierter Mann am Strand" ist in meinen Augen ein gelungenes und zu gleich melancholisches Beispiel zur Stimmung nach dem 2.Weltkrieg. Es zeigt einen nackten, auf Krücken gestützten, einbeinigen Mann in Rückenansicht (Identifikationsbrücke!). Vor ihm Strand, Meer und schemenhaft angedeutete Menschen, welche wohl den Tag am Strand genießen. Ein weiteres wichtiges Werk bildet die übergroße Bronze-Plastik von Fritz Cremer "O Deutschland, bleiche Mutter", sie zeigt eine sitzende Frau, welche eine Hand auf dem Schoß, die andere von sich weg in Richtung Boden hält. Im Original ist die Figur vor dem ehemaligen KZ Mauthausen bei Linz in Österreich platziert. Der Titel der Skulptur nimmt Bezug auf Bertolt Brechts Gedicht "Deutschland".
Zwar wurde der Mensch nach der Nazizeit kritisch gesehen, dennoch rückte er ins Zentrum der bildenden Kunst - besonders die Person des Künstlers. Kunstschaffende wandelten ihren eigenen Körper in Kunstmaterialien um und legten somit den Grundstein für die spätere "Performance". Von der nun eher gegenständlichen Kunst fort, bietet die Neue Nationalgalerie auch Einblick in die abstrahierte Kunst, beispielsweise jener der Künstlergruppe ZERO und im Hinblick auf die Op-Art. In diesem Zusammenhang präsentiert das Museum auch Yves Kleins ultramarinblaues "IKB 49". Einen eher entspannenden Beitrag leistete Otto Piene mit seiner Lichtraum-Installation von 1981 - 1999. In einem abgedunkeltem Raum lassen Lichtspiele die Besucher zur Ruhe kommen. Im folgenden Video seht ihr einen 35-sekündigen Ausschnitt:

Ebenfalls stark abstrahiert, formal reduziert auch die größtenteils raumkonzeptualistischen Beiträge aus der New Yorker Minimal Art. Schlüsselwerk hier Al Helds "Großes A" aus dem Jahre 1962. Im nächsten Raum waren unter dem Oberbegriff "Black Paintings" einige "schwarze" Gemälde nebeneinander gehängt. Darunter Pierre Soulages "Schwarz, braun und grau", Lee Bontecou oder Roberto Matta mit "Mal de Terre". Weitere abstrahierte Werke waren z.B. Willi Baumeisters "Aru 5" von 1955 oder das epochale Schlüsselwerk und zugleich Highlight der Ausstellung "la nuvola rossa - die rote Wolke" von Renato Guttuso.

In Hinblick auf die Entwicklung der Kunst nach 1945 in Amerika waren u.a. Pop-Art Werke von Ronald Kitaj, Sigmar Polke ("Dublin"), Roy Lichtenstein ("femme dans un fauteuil - Frau in einem Sessel") oder Andy Warhol ("Großer Elektrischer Stuhl" und "Double Elvis") vertreten. Große Aufmerksamkeit meinerseits erhielt Errós "Geburt Hitlers" aus dem Jahre 1966 - ein wahrlich groteskes, ja sogar schon ekelhaftes Bild, wenn mir diese subjektive Bemerkung erlaubt ist. Die Ausstellung "Der geteilte Himmel" ist nun bis ca. Ende März 2013 in der Neuen Nationalgalerie in der Nähe von Kulturforum und Potsdamer Platz in Berlin zu sehen und einen Besuch wert, da sie die kunstbegrifflichen Gegensätze in der Nachkriegszeit darlegt. Zum einen wird figürliches neben abstraktes gesetzt, zum anderen werden sich deutsche Kunst und Kunst aus Übersee entgegen gesetzt.

1 Kommentar(e):

Jacky Vifer hat gesagt…

tolle Arbeiten hast du in deinem Portfolio!

Liebe Grüße,
Jacky


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