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"Gute Aussichten - Junge deutsche Fotografie" und Berliner Photographie 1921 im Museum für Fotografie

"Gute Aussichten" ist eine von Josefine Raab gegründete Initiative zur Förderung junger, meist weitgehend unbekannter Fotografen. Die Auswahl der Nachwuchskünstler erfolgt über einen Wettbewerb. Insofern ist dieses Projekt vergleichbar mit "Talents" vom C/O Berlin. Seit dem 10.November 2011 zeigt das Berliner Museum für Photographie die "Gute Aussichten"-Ausstellung. Bis zum 29.Januar 2012 wird ebendiese hier in der deutschen Hauptstadt erste Station machen. Anschließend wird die Ausstellung nach momentanen Stand auch am Goethe-Institut Washington (02.02. - 29.04.12), im Fotoforum West in Innsbruck (17.02. - 17.03.12), im Haus der Photographie Hamburg (27.04 - 03.06.12), im La Chambre Strassburg (5 Tage Ende September / Anfang Oktober), im Museum für Angewandte Kunst Köln (18.08. - 14.10.12) und auf der Frankfurter Buchmesse (10. - 14.10.12.) zu sehen sein.


Betritt man den Ausstellungsraum im 2.OG des Museums für Photographie, befinden sich zur rechten Seite die Arbeiten zu "Gute Aussichten", zur linken Fotografien aus der fotografischen Sammlung der Kunstbibliothek, welche unter dem Titel "Berliner Photografie 1921" zusammengefasst sind. Erste Künstlerin von "Gute Aussichten" ist Julia Unkel mit ihrer Fotoreihe "Im Angesicht" (2011). Die Arbeiten zeigen ungeschminkt Bilder aus Schlachtereien und Schlachthöfen. Ob ein abgetrennter Rinderkopf, Schlacht- und Schneidewerkzeug, Hacken, oder mit Blut beschmierte Schürzen. Mit den Fotografien will Julia Unkel auf das aufmerksam machen, von dem viele nichts wissen - oder wissen wollen. Einen äußerst faszinierenden Beitrag liefert Sebastian Lang mit der Serie "Behaviour Scan" aus dem Jahre 2010. Zu sehen sind hier grotesk wirkende Einfamilienhäuser bei Nacht, die Vorhänge zugezogen, die Rollos herunter gelassen und nichts was irgendwie auf die Anwesenheit eines Lebewesens hinweist. Nüchterne Beleuchtung unterstreicht die Atmosphäre. Alles in Allem wirken die Fotografien wie aus Überwachungskameras. Eine Anspielung beispielsweise auf die hitzigen Debatten über Google-Street-View? Ein etwas älteres, aber trotzdem nicht vergessenes Thema bearbeitete Luise Schröder. Ihre Inkjet-Drucke behandeln die Bombadierung Dresdens am 13.02.1945. Miriam Schwedts titellose Reihe zeigt vier Photographien von steppenähnlichen oder gerodeten Landschaften, drei Nachtphotographien mit faszinierend abstrakt wirkenden Lichtschlieren, drei idyllische Waldlandschaften, zwei Aufnahmen von einem Meer und vier originelle, kleinformatige Bilder, die einen Menschen unter Wasser zeigen. Eher abstrakte Bilder zeigt die Fotografin Franziska Zacharias in der Serie "Le noir familier". Neben schwarzen Flächen, sind bunte gesetzt. In jedem Bild eine andere Farbe. Für mich sind es Räume. Sara-Lena Maierhofer beschäftigte sich mit dem Fall des Christian G., welcher in den USA unter verschiedenen Namen, mit verschiedenen Identitäten (z.B. Clark Rockefeller) unzählige Leute hintergangen und betrogen hat. Neben Fotografien sind auch Briefe und andere Dokumente, wie beispielsweise ein Schulzeugnis, zu sehen. Des Weiteren präsentiert der Künstler Johannes Post seine "Inform"-Reihe. Viele eher kleinformatige Inkjet-Drucke bilden zusammen gesetzt ein großes Kunstwerk, welches wie eine witzige Bastelanleitung verschiedene Schritte zu einer Tasche und von einer Tasche zu einem Schuh zeigt.

Die zweite Ausstellung im 2.OG behandelt die Berliner Photographie um 1921. In jenem Jahr wurde u.a. das Manifest "was wir wollen" veröffentlicht, welches eine Autonomie der Fotografie als eigenständige Kunstform fordert, und auch die erste Photo-Ausstellung wurde im Oktober 1921 gezeigt. Die momentane Ausstellung im Museum für Fotografie soll dabei als eine Art Rekonstruktion der damaligen Ausstellung fungieren und ausgewählte Arbeiten zeigen. Hierbei sind die verschiedensten Techniken vertreten: Silbergelatinepapier, Gummidruck, Öl-Umdruck, Pigmentdruck, Platindruck oder Bromöldruck. Ausgestellt sind z.B. Landschafts- oder Stadtfotografien von Lisi Jessen ("Straße in Celle"), Hugo Pielmann ("Spreewald im Winter"), Hermann Ebel ("an der Nikolaikirche in Rostock"), M. Curt Schmidt ("Aus der Mark", "Wintertag", "Jungfernbrücke Alt-Berlin"). Aber auch die Atelier- und Porträtfotografie ist vertreten. Inoffizieller Mittelpunkt ist dabei Karl Schenkers "Alfred Abel als Voltaire". Doch auch Bilder von Frieda Riss ("Maria Warhuus" (Ballerina)), Nicola Perscheid ("Max Liebermann" Bild oben) oder Alexander Binder "Tänzerin Lucie Fieselhausen" sind ausgestellt - um nur einige zu nennen. Sehr hübsch auch die Aktfotografie von Erna Lendrai-Dircksen. Nahezu alle Bilder weisen dabei die typische Weichzeichnung auf, was ihnen, in meinen Augen, eine wundervolle, wunderschöne Eigenart gibt.

3 Kommentar(e):

Merla hat gesagt…

Klingt wahnsinnig gut:) (leider zu weit weg.)

Lisa Marie hat gesagt…

Endlich mal ein Kunst-Blog zwischen den gefühlten 8 Milliarden Mode-Blogs! :) DANKE dafür! Ich schreibe auf meinem Blog auch über Kunst, allerdings mehr über zeitgenössische Kunst! :)

Lieben Gruß, die Lisa :)

Lisa Marie hat gesagt…

Die Fotografie-Ausstellung "Photography Calling" im Sprengel Museum in Hannover ist übrigens auch sehr empfehlenswert! ;)