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Kunstgeschichte: Bilderkult und Bildersturm

Folgendes Thema war in der vergangenen Woche Thema in einem meiner Kurse. Da ich es sehr interessant fand, möchte ich euch auch einen kleinen Einblick in die Geschichte des Bilderkult und Bilderstrums geben. Denkt man an die mittelalterliche Kunst zurück, gibt es eine zentrale Bildgattung, die wohl jedem sofot in den Sinn kommt: die Ikone. Egal ob Heiligenbilder, Heiligenstatuen, Altartafeln oder Reliquien. Die mittelalterliche Bevölkerung verehrte nahezu alles, was in Kirchen zu finden war, oder irgendeinen religiösen Bezug hatte. Doch was heute kaum jemand weiß: Im alttestamentlichen Buch Exodus 20, 4 steht geschrieben: "Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unter oder im Wasser unter der Erde". Das bedeutet, dass in der christliche Religion eigentlich ein Bildverbot herrscht. Die frühen Christen und ersten Kirchenväter befolgten dieses Gebot auch strikt. Mit ebendieser bildlosen Einstellung wollte man das Christentum außerdem von der heidnischen Antike abesetzen, da man in der polytheistischen Antike Götterbilder anfertigte, die durch Gebete, Opferungen und Rituale verehrt wurden. Noch um 300 n.Chr. beschloß man im Konzil von Elvira, dass christliche Kirchen frei von Bildern sein sollen. Doch ebenfalls im 4.Jahrhundert n.Chr. begann bereits eine langsame Annäherung an den Bilderkult, da sich unter Kaiser Konstantin I. die Religion und das Kaisertum zunhemend verbanden. Man erkannte, dass ein monotheistischer Glaube mit dem Gedanken eines einzigen zentralen Kaisers einher ging. So setzte man den einen Kaiser mit dem einen Gott im Himmel gleich und in einem Bild konnte man schließlich beide verehren. Der Grundstein für die Sakralkunst war gelegt. In der westlichen Kirche verbreitete sich der Reliquienkult. Selbst kleine Reliquienteile wurden verehrt und in bestimmten Reliquaren aufbewahrt, welche schließlich selber Reliquiencharakter erhielten. Ein Bilderkult wurde so unausweichlich. Doch natürlich gab es auch Anhänger der ursprünglichen Haltung gegenüber dem Heiligenbild. Im 8./9. Jahrhundert entbrannte so der erste Bildersturm, der unter dem Namen "byzantinischer Bilderstreit" in die Geschichte einging. Die beiden Fronten wurde als Ikonodule (Bildbefürworter) und Ikonoklasten (Bildkritiker) bezeichnet. Doch dies ist nicht der einzige Streit zu jener Debatte. Zu ikonoklastischen Taten, also Zerstörung oder Verunstaltung von Heiligenbildern, kam es in der Geschichte des öfteren. Besonders bekannt wurde auch der Ikonoklasmus der Calvinisten (Mitte 16.Jahrhundert) in Frankreich oder den Niederlande, der der böhmischen Hussisten (15.Jhd.), oder die Aktionen der Wiedertäufer. Im 12.Jahrhundert rief auch der Abt Bernhard von Clairvaux gegen den Bild- und Reliquienkult auf, da er die Meinung vertrat, dass es sich bei Ikonen um Täuschungen handelt, welche dazu dienen, die Bevölkerung einzuschüchtern und freizügiger, im Bezug auf Spenden in der Kirche, zu machen. Nichts desto trotz schien der Bilderkult und die Bildverehrung ungeahnte Ausmaße zu erreichen. Heute ist das Heiligenbild fester Bestandteil der christlichen Kirchengestaltung, auch wenn die Gestaltung von Kirchen nach dem zweiten Weltkrieg mit der Neuen Ästhetik zurück ging und obwohl das alttestamentliche Gebot nach wie vor unverfälscht in der Bibel (Ex 20, 4) zu lesen ist.

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