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Weihnachten, Bibel und alte Meister - Teil 2: Geburt Jesu / Dürer

Teil 2: Geburt Jesu und Anbetung. "So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus und Geschlecht Davids. Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten, die ein Kind erwartete. Als sie dort waren, kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe / und auf Erden ist Friede / bei den Menschen seiner Gnade. Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war. " (Lk 2, 4 - 20)

Albrecht Dürer, "Geburt Christi", Mittelteil des Paumgartner-Altars, nach 1503, Lindenholz, 155 x 126 cm, Alte Pinakothek München
Der Mittelteil des Paumgartner-Altars (Triptychon) von Albrecht Dürer zeigt eine eher ungewöhnliche Umsetzung der Geburtstszene Jesus'. Die Szene geht nicht auf das Lukasevangelium zurück, aus welchem der oben zu lesende Ausschnitt stammt, sondern geht auf die "Goldene Legende" (Legenda aurea) nach Jacobus de Voragine, zurück. Die Szene findet nicht in einem Stall mit Krippe statt, sondern in einem Durchgang zwischen zwei Gebäuden. Sehr groß sind die schlicht, blau (himmlisch) gekleidete Maria und der rot (materiell, irdisch) gekleidete , knieende Josef dargestellt. Josef ist dabei durch einen hölzernen Pfeiler bildräumlich von Maria und dem Kind getrennt, welches verhältnismäßig klein und unauffällig wirkt und nicht wie üblich in einer Krippe, sondern am Boden, auf dem Kleid seiner Mutter liegt. Dabei ist es von einer Schar Engel umringt, von denen es auf den ersten Blick nur schwer abzuheben ist. Auffallend ist in meinen Augen auch die Körpersprache der Mutter. Mit den verschränkten Armen, wirkt ihre Haltung eher abweisend. Hinter der Maria blicken aus einer Arkatur Ochs und Esel hervor. Der Bildraum ist nach hinten durch einen offenen Durchgang geöffnet und zeigt eine tiefenwirkende Landschaft. Von allen Seiten eilen Menschen herbei, um dem Jesuskind zu huldigen. In der linken und rechten unteren Bildecke befindet sich nach typischer Manier die Stiferfamilie, in diesem Fall die Familie Paumgartner. Die Bildszene spielt des Weiteren hauptsächlich in der unteren Bildhälfte. Die obere hingegen weist nur architektonische Elemente auf. Alles in allem wirkt die biblische Szene in Dürers Umsetzung eher unscheinbar. Das Jesuskind als Protagonist der Erzählung liegt am Boden und geht inmitten von gleichgroßenen Engeln beinahe unter. Ich wählte diese Umsetzung um zu zeigen, wie sich Künstler im Laufe der Geschichte zwar am religiösen Hintergrund orientieren, aber auch wie vielfältig ihre Umsetzungen sind.

Das typische Weihnachten mit Baum, welches wohl jeder heute feiert, geht zwar auf heidnische Bräuche zurück, dennoch ist und bleibt Weihnachten auch ein religiöses Fest. In vielen Köpfen geht dieser Gedanke in heutiger Zeit verloren. Ohne Stellung dazu nehmen zu wollen, widmet sich meine neue Reihe grob der biblischen Weihnachtsgeschichte, um sie euch, unabhängig von Glaube oder Nicht-Glaube, näher zu bringen. Um Kritik und Vorurteile zu vermeiden, möchte ich diese Gegebenheit lediglich als Allgemeinwissen bezeichnen. Ich möchte außerdem den kunstgeschichtlichen Zusammenhang herstellen, indem ich Beispielbilder zeige, welche die entsprechende Bibelstelle behandeln.

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