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Weihnachten, Bibel und alte Meister - Teil 4: Flucht nach Ägypten / Meister von Mondsee

Teil 4: Die Flucht Josefs mit Maria und dem Neugeborenen nach Ägypten: "Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter, und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten. Da stand Josef in der Nacht auf und floh mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten. Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen." (Mat 2, 13 - 15).

Meister von Mondsee, "Flucht nach Ägypten", vor 1499, Malerei auf Tannenholz, 57 x 45 cm, Belvedere Wien
Dieses mittelalterliche Gemälde zeigt die biblische Szene der Flucht Josefs mit Maria und dem Jesus Kind nach Ägypten. In der Vordergrundebene befindet sich die auf einem Esel sitzende Maria mit dem Kind. Das Tier trägt die beiden nach rechts in die Bildmitte hinein. In einer zweiten, mittleren Bildebene befindet sich, direkt am rechten Bildrand, Josef, welcher ,als älterer Mann mit grauem Bart dargestellt, in halber Rückenansicht den Esel von links nach rechts aus dem Bildraum hinaus führt. Nicht nur Josefs Platzierung ganz am rechten Bildrand, sondern auch die Rücken- / bzw. Profilansicht gibt ihm eine eher untergeordnete Rolle, obwohl er in der oben genannten Bibelstelle agierender Protagonist ist. Inhaltliches Zentrum im Werk bilden die Gottesmutter und ihr Kind. Maria sieht behutsam auf ihr Kind hinab. Die Köpfe der beiden Personen sind durch einen goldenen Heiligenschein umrahmt. Marias Haube scheint durch einen Windstoß nach links geweht zu werden. Ebenso Josefs roter Umhang. Links hinter Marias Schulter befindet sich ein Baum, in welchem sich drei Engel aufhalten, die die Szene zu überwachen scheinen. Einer der Engel sieht dabei direkt auf die Gottesmutter herab. In der Hintergrundebene erstreckt sich eine wüstenähnlich, dürre Landschaft mit einem Fluß. Womöglich handelt es sich dabei schon um den ägyptischen Nil. Der Himmel über dem Gewässer ist eine goldene Fläche mit Rasterung. Die malerische Umsetzung ist ganz in mittelalterlicher Manier. Informationsvermittlung und Materialwert stehen über künstlerischer Ästhetik und individueller Handschrift des Künstlers, dessen konkreter Name auch nicht überliefert ist. Besonders der materielle Wert war im Mittelalter ausschlaggebend für die Beurteilung eines Bildes. Hier wurde sehr viel mit Gold gearbeitet. Auch Blau war zu jener Zeit eine teure Farbe.

Das typische Weihnachten mit Baum, welches wohl jeder heute feiert, geht zwar auf heidnische Bräuche zurück, dennoch ist und bleibt Weihnachten auch ein religiöses Fest. In vielen Köpfen geht dieser Gedanke in heutiger Zeit verloren. Ohne Stellung dazu nehmen zu wollen, widmet sich meine neue Reihe grob der biblischen Weihnachtsgeschichte, um sie euch, unabhängig von Glaube oder Nicht-Glaube, näher zu bringen. Um Kritik und Vorurteile zu vermeiden, möchte ich diese Gegebenheit lediglich als Allgemeinwissen bezeichnen. Ich möchte außerdem den kunstgeschichtlichen Zusammenhang herstellen, indem ich Beispielbilder zeige, welche die entsprechende Bibelstelle behandeln.

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