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Weihnachten, Bibel und alte Meister - Teil 5: Kindermord in Betlehem / Rubens

Teil 5: Der Kindermord in Betlehem unter König Herodes. "Als Herodes nun sah, dass er von den Weisen betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und in der ganzen Gegend, die zweijährigen und darunter waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau erkundet hatte." (Mat 2, 16)




Peter Paul Rubens, "Bethlehemitischer Kindermord", 1638, Eichenholz, 198,5 x 302,2 cm, Alte Pinakothek München
Peter Paul Rubens' Gemälde zeigt die biblische Geschichte des Kindermordes in Betlehem. Wie im Barock und für Rubens' Stil typisch wirkt das Bild auf den ersten Blick sehr überladen und unübersichtlich. Unzählige Menschen verlieren sich im Getümmel des Kampfes. Männer und Soldaten nehmen den Frauen die Kinder weg, um sie zu töten. Viele Leichen liegen schon am Boden. Doch die Mütter versuchen ihre Kinder zu verteidigen und attackieren die Männer. Kompositionell sind drei Gruppen Menschen auszumachen. In der linken Bildecke ersticht ganz am Bildrand ein Mann gerade ein Baby. Daneben greifen zwei Frauen einen weiteren Mann an. Zu ihren Füßen liegen Kinderleichen und eine trauernde Mutter. Auf der entgegengesetzten Seite befindet sich eine weitere kämpfende Menschenmasse. Soldaten reisen den wehrlosen Müttern die Kinder aus den Armen, eine Frau liegt dabei schon am Boden, auf ihr ihr Kind, welches gerade von einem Mann erstochen wird. Eine weitere Frau rauft an ebendiesem Mann. Die dritte Gruppierung befindet sich auf der Treppe des im Hintergrund emporragenden Tempels. Eine Gruppe von Soldaten stürmt den Aufgang hinab in den Bildraum, während hingegen auch Männer zu sehen sind, welche mit Kindern die Treppe hinauf laufen und im Schatten der Architektur aus dem Bildraum verschwinden. Frauen versuchen die Männer aufzuhalten, werden jedoch zurückgehalten. In der Bildmitte und zugleich dem Mittelpunkt des Geschehens sticht eine einzelne Frau hervor, welche edel gekleidet ist und mit hoch erhobenen Armen ein blutbeflecktes weißes Tuch über ihrem Kopf hält. Die Frau blickt dabei nach oben. In der linken oberen Bildecke befinden sich außerdem drei Engel, welche auf die Frau hinabblicken und Blickkontakt zu ihr aufbauen. Die Geste der Frau wirkt so wie ein Flehen, ein Appell an die Engel. Im Hintergrund erstrecken sich Landschaft und Gebäude mit hoher Tiefenwirkung. Der Himmel ist dabei in einem fröhlichen Hellblau gehalten. Die Dramatik und Grausamkeit der Geschichte zu erfassen ist Peter Paul Rubens gelungen. Wirr, im Chaos durcheinander scheint jeder gegen jeden zu kämpfen. Dabei arbeitet der barock Künstler mit großer Präzision.
Jesus, wegen welchem es überhaupt zu jenen Morden kam, blieb in der biblischen Geschichte verschont, da er, wie in Teil 4 erwähnt, gemeinsam mit seiner Mutter von Josef nach Ägypten gebracht wurde.

Das typische Weihnachten mit Baum, welches wohl jeder heute feiert, geht zwar auf heidnische Bräuche zurück, dennoch ist und bleibt Weihnachten auch ein religiöses Fest. In vielen Köpfen geht dieser Gedanke in heutiger Zeit verloren. Ohne Stellung dazu nehmen zu wollen, widmet sich meine neue Reihe grob der biblischen Weihnachtsgeschichte, um sie euch, unabhängig von Glaube oder Nicht-Glaube, näher zu bringen. Um Kritik und Vorurteile zu vermeiden, möchte ich diese Gegebenheit lediglich als Allgemeinwissen bezeichnen. Ich möchte außerdem den kunstgeschichtlichen Zusammenhang herstellen, indem ich Beispielbilder zeige, welche die entsprechende Bibelstelle behandeln.

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