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Weihnachten, Bibel und alte Meister - Teil 1: Verkündigung / DaVinci

Das typische Weihnachten mit Baum, welches wohl jeder heute feiert, geht zwar auf heidnische Bräuche zurück, dennoch ist und bleibt Weihnachten auch ein religiöses Fest. In vielen Köpfen geht dieser Gedanke in heutiger Zeit verloren. Ohne Stellung dazu nehmen zu wollen, widmet sich meine neue Reihe grob der biblischen Weihnachtsgeschichte, um sie euch, unabhängig von Glaube oder Nicht-Glaube, näher zu bringen. Um Kritik und Vorurteile zu vermeiden, möchte ich diese Gegebenheit lediglich als Allgemeinwissen bezeichnen. Ich möchte außerdem den kunstgeschichtlichen Zusammenhang herstellen, indem ich Beispielbilder zeige, welche die entsprechende Bibelstelle behandeln.

Teil 1:
Das Fest Mariä Verkündigung wird zwar bereits im März gefeiert, dennoch meine ich diese biblische Geschichte an dieser Stelle aufzugreifen. Ich möchte Bezug auf ein Gemälde Leonardo DaVincis nehmen.
Doch zunächst zur Bibelstelle:
"Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria. Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben." (Lk 1, 26 - 33)

Leonardo DaVinci, "Die Verkündigung", 1472 - '75, Öl auf Holz, 98 x 217 cm, Galleria degli Uffizi Florenz
DaVincis Werk zeigt die biblische Szene der Verkündigung des Engels Gabriel an die Jungfrau Maria. Die beiden Protagonisten (der Erzengel in der linken Bildhälfte und die spätere Gottesmutter in der rechten Bildhälfte) sind nicht nur nach traditionell bildkompositioneller Anordnung in strenger Raumaufteilung voneinander getrennt, sondern auch ein steinernes Tischchen, ein Lesepult, mit dekorativen Verzierungen trennt die Figuren wie eine Grenze voneinander. Der prächtig gekleidete, knieende, sehr jung wirkende Engel ist im Profil zu sehen, die Hand zum Gruß erhoben. Hinter ihm eine weiße Lilie, welche symbolisch u.a. für Jungfräulichkeit steht und so untrennbar mit der Gottemutter in Verbindung gebracht wird. Die hinter dem Lesepult sitzende, ebenfalls edel gekleidete Frau, Maria, ist, wie deutlich am Gesichtsausdruck und der Handhaltung zu erkennen, von der Anwesendheit des Engels überrascht (sie wurde wohl beim Lesen gestört). Hinter der Figur der Maria befindet sich eine Wand, sodass der ihr zukommende Raum (durch Lesepult und Wände begrenzt) im Bild begrenzt und abgeschlossen ist. Verhältnismäßig größer ist so der Raum des Engels. Hinter ebendieser Figur befindet sich lediglich eine kleine Mauer, welche aber den tiefenwirkenden Blick in die weite Hintergrundlandschaft nicht versperrt. Dieses Gemälde gehört zu DaVincis frühen Werken und entstand wohl aus den Ideen der Werkstatt von Verrocchino. Leonardo malte das Bild mit ca. 20 Jahren.

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