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»An der Fotografie fasziniert mich, dass man die Zeit anhalten kann« Interview: Jules Esick

Der 21-jährige Jules Esick aus Berlin verfolgt ein ganz klares Ziel: Sein Hobby - die Fotografie - zum Beruf zu machen. Schon bald möchte Jules seinem Traum mit einem Studium im Bereich Kommunikationsdesign oder visuelle Kommunikation etwas näher kommen. Derzeit arbeitet er an der Zusammenstellung einer Bewerbungsmappe. Der eigenwillige Nachwuchsfotograf begeistert mit technischer Sorgfalt, autodidaktischen Kenntnissen und interessanten Ideen. Dabei ist Jules sehr bodenständig und selbstkritisch.


Seit wann beschäftigst Du Dich mit Photographie? Was fasziniert Dich daran? 
Meine erste eigene Kamera war eine Canon IXUS 70 die ich mir von meinem ersten Lehrlingsgehalt geleistet hatte. Vor ca. zweieinhalb Jahren habe ich mir dann meine erste Spiegelreflexkamera gekauft (eine Canon EOS 450D). Ich würde sagen von diesem Zeitpunkt an beschäftige ich mich mit der Fotografie. Natürlich fängt jeder einmal bei 0 an. Es hat mich interessiert und ich habe die Motivation nie verloren, bessere Bilder zu machen. Durch Internet und Bücher habe ich mir dann eigentlich alles, was ich im Moment zum Thema Fotografie weiß, selbst beigebracht. An der Fotografie fasziniert mich vor allem, dass man damit die Zeit anhalten kann und so Gefühle und Erinnerungen für immer festhalten kann. Ein Zitat welches meine Faszination ziemlich gut beschreiben kann und welches ich auch sehr gerne Verwende, ist aus dem Film "One Hour Photo": 
"Der Auslöser klickt, es blitzt, und sie haben die Zeit angehalten. Wenn auch nur für einen klitzekleinen Augenblick. Und wenn diese Bilder nachfolgenden Generationen irgendetwas mitzuteilen haben, dann das: Ich war hier. Mich hat es gegeben. Ich war jung. Ich war glücklich. Und irgendeinem Menschen auf dieser Welt war ich wichtig genug, dass er ein Foto von mir gemacht hat."

Wer oder was inspiriert Dich?
Der Mensch an sich inspiriert mich sehr. Jeder ist anders, jeder handelt anders, und jeder hat seine eigene Vorstellung von Schönheit. Jeder drückt Gefühle anders aus, jeder fühlt anders. Das ist doch etwas Schönes. Natürlich inspirieren mich andere Fotografen auch sehr. Ich liebe es, mir Fotos anzusehen die mich begeistern. Ich könnte den ganzen Tag damit verbringen Galerien und Alben anzusehen. Wenn ich von etwas begeistert bin, dann merkt man das an meiner Reaktion. Es macht mich wirklich glücklich dass so viele und vor allem auch junge Menschen Kunst machen die andere wiederrum begeistert, fasziniert und letztendlich zu neuen Ideen inspiriert. Inspiration hat auch etwas mit Motivation zu tun. Man muss sich auf neue Dinge einlassen und hinterher sein nicht stehen zu bleiben. Ich bin gerne offen für neue Dinge, ungewöhnliche Dinge die gegen den Strom gehen. Selbstkritik ist hier auch sehr wichtig. Ich kenne einige Fotografen, die meiner Meinung nach ein wenig zu sehr von Ihren Arbeiten überzeugt sind, sich dadurch nur schlecht weiterentwickeln und vielleicht irgendwann überholt werden von den Menschen, die sich weiterentwickeln möchten, lernen möchten und sich inspirieren lassen von ihrer Intuition und Ihrem Herzen. 
Wo fotografierst Du am Liebsten – wo ist Deine Lieblingslocation? Und warum? 
Das kann ich so nicht sagen. Ich finde alle Locations haben ihre Vorzüge und Nachteile. Wo ich gerne fotografiere sind Orte mit Charakter: Alte Bahnhöfe, Fabrikgelände, zerfallene Gebäude... oder eben wunderschöne Naturlandschaften, Seen, Wiesen und Wälder. Es gibt eine Fülle von schönen Locations. Was ist Dein Lieblingsmotiv? Was macht es für Dich interessant? Wie man oben vielleicht schon erahnen kann fotografiere ich am liebsten Menschen. Durch Fotos Gefühle auszudrücken und auch auszulösen finde ich eine wunderbare Sache. Worauf achtest Du beim Fotografieren besonders? Wichtig ist mir bei meinen Bildern das sie harmonisch wirken. Ich mag keine harten Schatten oder Verwacklungen. Auf Kleinigkeiten achte ich auch sehr. Das sind zwar alles relativ langweilige Grundvoraussetzungen für schöne Fotos aber leider werden sie viel zu oft nicht beachtet. Ganz gern mag ich es bei einem schönen Abendrot oder bei hellem bedecktem Himmel zu fotografieren. Das Abendrot bringt ein wunderschönes Licht und man kann harte Schatten und unnötige Lichtreflexe vermeiden. Bedeckter Himmel wirft ein sehr weiches Licht was mir auch sehr gut gefällt.

Wie bearbeitest Du Deine Bilder am liebsten? Hast Du ein Lieblingsprogramm oder einen Lieblings-Effekt? 
Mein Lieblingsprogramm ist Lightroom von Adobe. Damit kann man sehr gut Bilder bearbeiten und entwickeln. Manchmal genügt es schon die Temperatur ein wenig zu ändern um eine völlig andere Stimmung zu erzeugen. Schwarz / Weiß- oder Bilder mit geringer Sättigung gefallen mir auch sehr gut. Es kommt oft auch auf die eigene Intuition und Stimmung an, ob man ein Bild eher kalt, düster oder bedrückend gestaltet oder eben warm, farbenfroh und fröhlich. 

Welches Deiner Photos ist Dein persönlicher Favorit? Und warum?

Für manche ist das Foto vielleicht nicht sehr spannend oder spektakulär. Wahrscheinlich gibt es auch ein paar Kleinigkeiten die ich vermeiden hätte können. Das Foto ist für mich besonders, da es mein Opa und meine Oma sind die darauf abgebildet sind. Sie sehen auf dem Bild beide glücklich aus und so stelle ich mir ein glückliches altes Ehepaar vor. 

Analog oder Digital?
Nun man sollte der Wahrheit ins Auge blicken. Digital ist meiner Meinung nach ein Muss. Es gibt denke ich nicht mehr sehr viele Fotografen die mit Analogfotografie sehr erfolgreich sind. Natürlich gibt es Ausnahmen. Durch die Digitalfotografie hat man die Möglichkeit verschiedene Dinge zu testen. Man kann mehrere Fotos schießen und das Beste dann auswählen. Es kostet so gut wie nichts ein Foto mit einer Digitalen Kamera zu schießen. Analog sieht es da anders aus. Ich habe auch 2 analoge Kameras, und muss eingestehen, dass es einen unvergleichbaren Reiz hat analog Fotos zu schießen. Man macht sich mehr Gedanken über das Motiv, man stellt es sich viel intensiver vor, bevor man wirklich den Auslöser drückt. Denn jeder Klick kostet Geld. Das möchte man natürlich nicht verschwenden, indem man von einem Motiv 20 Aufnahmen macht. Es ist eine schöne Erfahrung, auch mal analog zu fotografieren und ich kann es jedem empfehlen. 

Hast Du ein Vorbild? Wenn ja – wen? 
Ein Vorbild? Ein spezielles Vorbild habe ich nicht. Es gibt viele Fotografen und Künstler die ich bewundere. Alle haben eigene Stile und sind auf Ihre spezielle Art und Weise sehr erfolgreich. Großen Respekt habe ich vor Fotografen die in Krisen- und Kriegsgebieten ihr Leben aufs Spiel setzen und atemberaubende Bilder schießen. 
Welche Projekte und Ziele verfolgst Du für die nächste Zeit?
Mein größtes Ziel im Moment ist es, die Möglichkeit zu erhalten ein Studium im fotografischen Bereich zu beginnen. Auf dieses Ziel konzentriert sich im Moment sozusagen mein ganzer Alltag. Ich verdiene Geld um das spätere Studium mal finanzieren zu können. Ich mache Fotos und entwickle Ideen für meine Bewerbungsmappe. Ich gehe zur Schule, um das Fachabitur im Sommer zu bekommen. Das ist mein momentanes Ziel. Was danach kommt will ich mir noch gar nicht ausmalen. Ich lasse es einfach auf mich zukommen. Meine Ziele beim Fotografieren sind, immer besser zu werden, zu wachsen und mich weiter zu entwickeln. Ein Motto welches für mich große Bedeutung hat und mich immer wieder aufs Neue motiviert und inspiriert ist folgendes:
Always have the courage to follow your hear and intuition, Go your own way, bash the walls and never give up. 

Bilder: © Jules Esick
http://www.julianessig.de/

3 Kommentar(e):

Merla hat gesagt…

Ganz unglaublich schöne Photos :)

Antonia-Ivana hat gesagt…

Sowohl das Interview, als auch die Fotos sind überzeugend!!

www.antoniaivana.blogspot.com

Vielen Dank nochmal für das Interview.