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Achtung Ansteckungsgefahr, oder doch nicht? Ein Magazin aus HIV-infiziertem Blut

Gerade sorgt ein ganz bestimmtes Druckprodukt für Aufsehen: ein Magazin, das komplett aus dem Blut von HIV-infizierten Personen gedruckt wurde. Jedes Bild, jeder Buchstabe, jede Linie.
Es handelt sich dabei um die neue Ausgabe des Männermagazins "Vangardist". Geleitet wurde die Kampagne von"Saatchi & Saatchi Switzerland".
Doch was motiviert die schweizer Designagentur zu solch einem Projekt?
Anlass ist der jährliche "Life Ball", der am 16.Mai 2015 im Rathaus der österreichischen Hauptstadt stattfindet. Diese Veranstaltung ist eines der wichtigsten und größten Charity Events der Welt - dementsprechend prominet kündigen sich die Besucher an.
Bild: Page
 Auf der Beitragsseite der PAGE habe ich folgenden Ausschnitt gelesen:
"Jason Rmeyko, Executive Creative Director bei Saatchi & Saatchi Switzerland sagt über das Projekt: In dem wir das Medium selbst ganz direkt in den Ursprung des Stigmas verwandeln, indem wir jedes Wort, jede Linie, jedes Bild und jede Seite des Magazins mit dem Blut von HIV- positiven Menschen gedruckt haben, wollen wie eine ganz unmittelbare Auseinandersetzung schaffen. Halten die Leser die Ausgabe in der Hand, brechen sie augenblicklich das Tabu."

Und ich bin mir im Moment noch nicht wirklich sicher, was ich davon halten soll.
Natürlich: ich finde es mutig. Beeindruckend. Es verdient meinen Respekt. Doch es schüchtert mich gleichzeitig ein. Zwar folgte der Druck der 3000 Auflagen strengen Richtlinien namhafter Universitäten wie z.B. der Havard University und schließt somit eine mögliche Ansteckung beim Lesen, Blättern und Berühreren komplett aus, dennoch bereitet alleine die Vorstellung an die Druckerfarbe leichtes Unbehagen. Doch genau darauf zielen die Designer ab: als Leser wird man unmittelbar mit der gefährlichen Krankheit konfrontiert, macht sich Gedanken.
Manchen Menschen waren der Krankheit noch nie so nahe, wie in diesem Moment, in dem sie das Magazin in Händen halten. Trotzdem hat HIV seit 1980 bis heute insgesamt rund 39 Mio Leben gefordert, wie das United Nations Programme on HIV/AIDS schätzt. Knapp die selbe Zahl ist heute Schätzungen zufolge weltweit infiziert. Laut dem Robert-Koch-Institut ungefähr 80.000 Menschen in Deutschland. Glücklicherweise gehen die Zahlen jährlich zurück.

Ich finde es gut, dass weiterhin auf die Umstände von HIV und AIDS aufmerksam gemacht wird. Und ich finde es gut, dass Charity Events so hoch im Kurs stehen. Und ja, ich glaube mittlerweile, ich finde es auch gut durch das Magazin als Aussenstehender aufmerskam gemacht zu werden, konfronitert zu werden.
Mit der Kampagne schafft Saatchi & Saatchi einen Bezug zur Krankheit, der keineswegs oberflächlich ist. Man taucht ein, läuft aber keiner Gefahr aus. Man zeigt uns die Gegenwärtigkeit von HIV auf und scheut nicht davor, den Rezipienten in eine kleine Schocksituation zu versetzen, doch genau dadurch werden Illusion und vielleicht auch ein bisschen Angst genommen.
Auf keinem Fall aber der Respekt.

Die Ausgabe des Vangardist gibt es ab nächster Woche am Kiosk zu kaufen, oder online zu bestellen.

1 Kommentar(e):

tobias mandelartz hat gesagt…

Übrigens rangiert "Durchfall" noch einen Platz vor HIV in der Liste der weltweit häufigsten Todesursachen, hier würden sich also noch ganz andere Formen für eine Print-Ausgabe anbieten.